Evangelisch - Lutherische  Kirchgemeinde
Hohen Viecheln
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Die Kirche und ihre Geschichte

 

In Mecklenburg, am Nordzipfel des langgestreckten Schweriner Sees, befindet sich das alte Dorf Hohen Viecheln. In seiner Mitte erhebt sich, leuchtend rot, auf einer Anhöhe über dem See die imposante Kirche des Ortes, ein hochgotischer Hallenbau von überraschender Größe. Vergleicht man sie mit den ohnehin großen Dorfkirchen Mecklenburgs, zeigt sich hier ein Bau von geradezu städtischen Dimensionen. Um die Umstände ihrer Errichtung ein wenig zu beleuchten, soll im Folgenden auf die Geschichte Hohen Viechelns und seiner Umgebung kurz eingegangen werden.

 

In der spätslawischen Zeit des 11./ 12. Jahrhunderts entsteht auf der schmalen Landbrücke zwischen Schweriner See und Döpe in gut geschützter Lage die Burg Dobin ( von der Kirche aus gesehen am gegenüberliegenden Ufer des Sees) , neben der nahegelegenen namensgebenden Mecklenburg, den Festen Schwerin, Ilow und Werle eine der fünf Hauptburgen des Obotritenstammes. Zahlreiche archäologische Fundplätze dieser Periode sprechen von einer zunehmenden Besiedlung des näheren und weiteren Ufergeländes nördlich der Burg, gerade auch in Ortslage des alten Dorfkerns um Kirche und Krug (inzwischen abgerissen).

 

Die Burg Dobin findet Erwähnung in bedeutenden zeitgenössischen Quellen dieser Landschaft, so bei Holmoid von Bosau ( Chronoca Slavorum, um 1160/ 70) anlässlich seiner Berichte zu den Slavenkreuzzügen und bei Saxo Grammaticus ( Gesta Danorum, um 1200) als „Seeräuberfeste“. Im Jahr 1147 scheitert der erste Kreuzzug unter dem sächsischen Herzog Heinrich dem Löwen ( zusammen mit einem dänischen Heer) an dieser und der pommerschen Demminer Burg. Noch im Folgewinter verstärkte die Besatzung die Burganlage mit Palisaden und Holz- Erde- Wällen, wie jüngste Ausgrabungen ermitteln konnten. Als Heinrich der Löwe jedoch 1160 zu einem neuerlichen Kreuzzug in das obotritische Gebiet zieht, vernichtet Fürst Niklot vier seiner Burgen und zieht sich auf seine weiter östlich gelegene Burg Werle ( bei Schwaan) zurück, wo er getötet wird und das Land fortan seine wechselvolle Geschichte als Bestandteil des Deutschen Reiches durchlebt.

 

Bereits 18 Jahre später, im Jahre 1178, tritt die Ansiedlung Viecheln ( der Zusatz „Hohen“ erfolgte erst vor ca. 250 Jahren) erstmals in Erscheinung und gehört damit zu den ältesten Kirchgemeinden Mecklenburgs. Der Priester Symon de Vichele erscheint in einem Rechtsakt des Bischofs Berno anlässlich der Zehntverteilung für das Kloster Dargun durch Schwerin als Zeuge. Von einem Kirchenbau aus dieser zeit ist jedoch nichts mehr zu finden; ob es während der über 100 Jahre bis zur Errichtung der heutigen Kirche bereits einen steinernen Bau gegeben haben könnte, ist fraglich und könnte nur durch Ausgrabungen geklärt werden.

 

Im beginnenden 14. Jahrhundert halten sich häufiger Heinrich ( der Löwe) von Mecklenburg und andere weltliche wie kirchliche Würdenträger in Viecheln auf, Rechtstreitigkeiten werden geschlichtet, Verträge geschlossen. Die besondere Bedeutung in dieser zeit verdankt das Dorf seiner exponierten Lage am Nordende des Schweriner Sees, zwischen verschiedenen Territorien vom Mecklenburger Fürsten, Schweriner Grafen und Schweriner Bischof gelegen. Fürst Heinrich, der sich am liebsten in seiner Residenz Sternberg aufhielt und in dessen Zeit auch die Errichtung der dortigen – vergleichbaren- Hallenkirche fällt, könnte mit großer Wahrscheinlichkeit der Initiator zum heutigen überdimensionierten Kirchen bau gewesen sein. Ein hochmoderner wiewohl schlichter Hallenraum, dazu ein nie ausgeführter mächtiger Turm sollten am Ufer des Sees ein Zeichen setzen. Wahrscheinlich haben wir es mit dem gescheiterten Versuch zu tun, dem Ort städtische Bedeutung zu verleihen.

 



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